{"id":136,"date":"2018-03-05T09:29:35","date_gmt":"2018-03-05T09:29:35","guid":{"rendered":"https:\/\/kaiserinnen.oeaw.ac.at\/?page_id=136"},"modified":"2020-05-26T09:18:41","modified_gmt":"2020-05-26T09:18:41","slug":"einfuehrung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kaiserinnen.oeaw.ac.at\/","title":{"rendered":"Einf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p>Kaiserin und Reich \u2013 ein klingendes Begriffspaar, zugleich aber eine Terra incognita: \u00dcber die Kaiserinnen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches in der Zeit nach 1500, die gleichzeitig K\u00f6niginnen von Ungarn und B\u00f6hmen waren, ist bislang so gut wie nichts bekannt. Kaiserinnen spielen bislang in der Forschung zur Habsburgermonarchie wie zum Heiligen R\u00f6mischen Reich kaum eine Rolle. Wenn \u00fcberhaupt, dann werden Namen des hohen Mittelalters genannt wie Theophanu, Agnes oder Kunigunde. Aber wer, au\u00dferhalb engster Forscherkreise, kennt schon Maria de Austria oder Eleonora Gonzaga?<\/p>\n<p>Etwas anders ist der Befund sicher f\u00fcr Maria Theresia, und das gilt gerade f\u00fcr \u00d6sterreich. Kein historischer \u00dcberblick kommt hier ohne sie aus, und auch in touristischer Hinsicht ist sie zumindest in Wien nahezu allgegenw\u00e4rtig; \u00fcberboten nur noch von einer anderen Frau: Kaiserin Elisabeth. So wie aber \u201eSissi\u201c eben als Kaiserin von \u00d6sterreich pr\u00e4sent ist, so ist es auch bei Maria Theresia in erster Linie ihre Rolle als \u201eLandesmutter\u201c innerhalb der Habsburgermonarchie, die erinnert wird, nicht ihre Position innerhalb des Heiligen R\u00f6mischen Reiches. Dar\u00fcber t\u00e4uscht ihre Titulatur als \u201eKaiserin\u201c oft hinweg; nicht selten erscheint sie sogar mit dem Titel einer Kaiserin von \u00d6sterreich, die sie nie gewesen ist.<\/p>\n<p>Die Materialien, die hier gerade f\u00fcr die \u201eunbekannten\u201c Habsburgerinnen vor Maria Theresia zur Verf\u00fcgung gestellt werden, sind im Zusammenhang mit einem Forschungsprojekt entstanden. Es startete am 1. Dezember 2015 und endete Ende Mai 2020; gef\u00f6rdert wird es vom Fonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung in \u00d6sterreich (<a href=\"http:\/\/www.fwf.ac.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">FWF<\/a>).<\/p>\n<p>Inhaltlich steht die Frage nach der zeremoniellen und herrschaftlichen Position der Kaiserin im Mittelpunkt. Dazu werden zum einen die Kr\u00f6nungen der Kaiserinnen im Reich untersucht \u2013 sechs der 15 K\u00f6niginnen und Kaiserinnen der Fr\u00fchen Neuzeit wurden in einer gro\u00dfen \u00f6ffentlichen Zeremonie in Frankfurt am Main, Regensburg oder Augsburg gekr\u00f6nt. Fast alle von ihnen erlebten au\u00dferdem Kr\u00f6nungen in Ungarn und B\u00f6hmen. Anhand der Vorbereitung und des zeremoniellen Ablaufs dieser Ereignisse wird untersucht, in welcher Weise sie und damit die Kaiserin selbst in die symbolische Kommunikation von Herrschaft einbezogen waren.<\/p>\n<p>Anwesend waren bei den Kr\u00f6nungen zwar eine Vielzahl von Amtstr\u00e4gern und Amtstr\u00e4gerinnen, von adligen und f\u00fcrstlichen Damen und Herren, aber auch von M\u00e4nnern und Frauen b\u00fcrgerlicher Herkunft. Letztere konnten zumindest den Z\u00fcgen zur Kirche und in die Kirche beiwohnen, h\u00f6rten Salutsch\u00fcsse und brachten wohl auch selbst Vivat-Rufe aus. In der Kirche, dem jeweiligen Ort der Kr\u00f6nung, waren dagegen nur ranghohe Herren und Damen zugelassen. Da jedoch alle Kr\u00f6nungen ein erhebliches mediales Interesse hervorriefen, wurde sie auch zu einem Medienereignis: In Flugschriften, Zeitungen, Einblattdrucken berichtete man \u00fcber Ablauf und Ausstattung.<\/p>\n<p>Kaiserinnen waren jedoch auch unabh\u00e4ngig von konkreten Ereignissen wie den Kr\u00f6nungen, aber auch Eheschlie\u00dfungen, Geburten und Todesf\u00e4llen, und \u00fcber gedruckte Medien hinaus Gegenstand von Darstellungen. Bildliche Darstellungen wie M\u00fcnzen und Medaillen, Kupferstiche und Gem\u00e4lde bilden deshalb einen zweiten Schwerpunkt des Projektes. Hier geht es darum, zun\u00e4chst einmal in einer Art Bestandaufnahme danach zu fragen, welche Formen \u00fcberhaupt auftraten sowie Darstellungskonventionen zu beschreiben.<\/p>\n<p>Ein wesentliches Ziel des Projektes insgesamt ist es also, ausgehend von einer Bestandsaufnahme der Publizistik zur Kaiserin zwischen 1550 und 1740\/45, erstmals genauer nach ihrer Rolle bei der symbolisch-rituellen Konstituierung des Alten Reiches wie innerhalb der Habsburgermonarchie zu fragen. Hierbei geht es sowohl um die Rekonstruktion des Ablaufs und des Umfelds der Kr\u00f6nung wie um deren Darstellung in geschriebenen, gedruckten, gemalten und geformten Medien.<\/p>\n<p>F\u00fcr beide Projektteile wurden und werden dazu Materialien gesammelt und geordnet, die nun hier einer interessierten \u00d6ffentlichkeit zur Nutzung zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Wir hoffen, damit das Interesse an den fr\u00fchneuzeitlichen Habsburgerinnen zu f\u00f6rdern und Hilfestellung f\u00fcr weiterf\u00fchrende Forschungen anzubieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaiserin und Reich \u2013 ein klingendes Begriffspaar, zugleich aber eine Terra incognita: \u00dcber die Kaiserinnen des Heiligen R\u00f6mischen Reiches in der Zeit nach 1500, die gleichzeitig K\u00f6niginnen von Ungarn und B\u00f6hmen waren, ist bislang so gut wie nichts bekannt. 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